Rund um den Comer See wird seit dem 15. Jahrhundert Seide gewebt, damals wurden in der Lombardei Maulbeerbäume gepflanzt, um Seidenraupen zu füttern. Raupen und Bäume sind längst weg, die Webereien sind geblieben. Was sich dort über fünfhundert Jahre angesammelt hat, ist kein Rohstoff, sondern Wissen — übers Weben, Färben und Bedrucken von Seide. Das lässt sich anderswo nicht schnell nachbauen.
Warum die Gegend noch zählt
Seide lässt sich leicht schlecht verarbeiten. Der Faden ist fein, er rutscht, und Farbe verhält sich auf Proteinfaser anders als auf Baumwolle. Die Webereien am Comer See drucken in vielen Durchgängen mit engem Passer. Deshalb hat ein Muster dort saubere Kanten statt eines weichen Schleiers dort, wo zwei Farben aufeinandertreffen. Schau dir ein günstiges bedrucktes Tuch aus der Nähe an, dann siehst du diesen Schleier.
Ein Seidenetikett lesen
Momme ist die Zahl, auf die es ankommt. Sie misst das Gewicht. Tuchseide liegt meist zwischen 8 und 16 Momme. Unter 10 ist der Stoff dünn, durchscheinend und knittert stark. Unsere hat 14 Momme, fällt also mit etwas Gewicht, hält einen Knoten und wird bei Tageslicht nicht durchsichtig.
100 % Seide ist nicht selbstverständlich. Polyester nimmt Druck gut an und kostet einen Bruchteil. Es fühlt sich allerdings kühl und glatt an statt warm, und es atmet nicht.
Der Saum verrät viel. Ein von Hand gerollter und genähter Saum gibt dem Tuch seine weiche, runde Kante und seinen Fall. Ein flacher Maschinensaum geht schneller und liegt anders.
Wie du sie pflegst
Seide muss seltener gewaschen werden, als die meisten denken. Über Nacht auslüften erledigt das meiste.
Wenn doch: kaltes Wasser, ein Tropfen mildes Shampoo, nicht wringen. In ein Handtuch rollen, um das Wasser herauszubekommen, dann flach trocknen lassen, weg von Sonne und Heizung. Bügeln auf der niedrigsten Stufe, von links, solange sie leicht feucht ist.
Parfum ist der eigentliche Feind. Alkohol hinterlässt auf Seide Ränder, die nicht immer herausgehen. Erst sprühen, dann anziehen.
Warum wir Comer See schreiben und nicht Italien
Made in Italy deckt viel ab. Den Ort zu nennen, ist eine Angabe, die du nachprüfen kannst — und der Grund, warum sich unsere Tücher anfassen, wie sie sich anfassen.